{"id":923,"date":"2021-11-29T17:51:44","date_gmt":"2021-11-29T17:51:44","guid":{"rendered":"https:\/\/jtphil.de\/?p=923"},"modified":"2023-07-01T13:46:10","modified_gmt":"2023-07-01T13:46:10","slug":"thank-you-for-participation-ueber-scholar-crawling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jtphil.de\/?p=923","title":{"rendered":"\u201eThank you for participation\u201d \u2013\u00a0\u00dcber &#8217;scholar crawling&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Oder: Wie ich von Datenh\u00e4ndlern zu einem Mikrobiologen gemacht wurde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Alexander Friedrich<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/jtphil.de\/?p=945\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_04-1024x724.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-927\" srcset=\"https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_04-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_04-300x212.jpg 300w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_04-768x543.jpg 768w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_04-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_04-2048x1448.jpg 2048w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_04-624x441.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Illustration: <a href=\"http:\/\/www.matthias-seifert.com\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.matthias-seifert.com\">Matthias Seifert<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Obwohl ich niemals eine biologische oder eine medizinische Ausbildung durchlief \u2013 und dies auch nie behauptet oder suggeriert habe \u2013 erhalte ich seit bald einem Jahr regelm\u00e4\u00dfig Anfragen f\u00fcr die wissenschaftliche Begutachtung von Fachartikeln zu mikrobiologischen und biomedizinischen Themen. Forschungsarbeiten und Manuskripte, deren wissenschaftliche Qualit\u00e4t ich einsch\u00e4tzen soll, lauten etwa:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u201cUrine Culture in Hospitalized Patients during 2014-2018: An Analysis on Pathogen Distribution and Drug Sensitivity\u201c&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eAnalysis of blood stream infections and their antibiotic sensitivity pattern: pre and post COVID-19 lockdown in an Indian cancer care hospital \u2013 A record based retrospective cohort study.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eResistance of Staphylococcus aureus in the Mechanical Ventilator: A Cross-Sectional Study\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201cUse of metagenomics whole-genome sequencing (WGS) in the typing and epidemiologic surveillance of respiratory pathogens\u201d<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>&#8230;um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Begonnen hatte es mit dieser Mail, die mich Anfang Februar 2021 erreichte:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Dear Dr. Friedrich,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>A manuscript titled&nbsp;<\/em>\u201cNasal Carriage of Methicillin Resistant Staphylococcus aureus Among Healthcare Workers in a [specific] Hospital\u201c<em>&nbsp;by [author name et al.], has been submitted to our journal for consideration.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>As the Academic Editor handling the manuscript, I would be delighted if you would agree to review it and let me know whether you feel it is suitable for publication.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>DECLINE: click<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>AGREE: click<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>The manuscript\u2019s abstract and author information is below to help you decide. Once you have agreed to review, you will be able to download the full article PDF.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reviewers are expected to return their report within 14 days of agreeing to review, however if you need more time please do let us know as we may be able to arrange an alternative deadline.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>To ensure we keep delays to a minimum please accept or decline this invitation within the next 7 days.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>If a potential conflict of interest exists between yourself and either the authors or the subject of the manuscript, please decline to handle the manuscript. If a conflict becomes apparent during the review process, please let me know at the earliest possible opportunity.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Kind regards,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>[Signatur]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>This email was sent to [meine Email-Adresse]. You have received this email in regards to the account creation, submission, or peer review process of a submitted paper, published by [publisher name].<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>[Publisher] respects your right to privacy. Please see our privacy policy [Link] for information on how we store, process, and safeguard your data.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Erst hielt ich die Email f\u00fcr Spam; dann f\u00fcr eine Verwechslung. Die Redaktion des Journals hielt mich offenbar f\u00fcr einen Experten in Sachen&nbsp;<em>Staphylococcus aureus<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;ein sich gern in Traubenform anordnender Saprobiont und Kommensale, wie ich nach kurzer Internetrecherche herausfand. Jeden Monat, ja w\u00f6chentlich erhalte ich nun st\u00e4ndig solche und \u00e4hnliche Anfragen. Seither besch\u00e4ftigen mich zwei Fragen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>1. Wie konnte es dazu kommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>2. Was kann ich dagegen tun?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen interessiert mich noch eine dritte Frage:<\/p>\n\n\n\n<p><em>3. Welche daten- und wissenschaftspolitischen Implikationen hat diese Geschichte?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Antwort auf die erste Frage hatte ich schnell gefunden, zumindest vermutet. Ich hatte zwei Jahre vorher einen Artikel \u00fcber ethische Probleme einer m\u00f6glichen k\u00fcnftigen Zweitverwertung kryokonservierter Eizellen&nbsp;als Ressourcen f\u00fcr die biomedizinische Forschung&nbsp;in der Zeitschrift&nbsp;<em>New Genetics and Society&nbsp;<\/em>ver\u00f6ffentlicht. Das Journal besch\u00e4ftigt sich mit den sozialen Implikationen der Biomedizin und Biotechnik und geh\u00f6rt zu der Verlagsgruppe&nbsp;<em>Taylor &amp; Francis<\/em>, die ihrerseits (wie etwa auch der&nbsp;<em>Routledge<\/em>&nbsp;Verlag) im Besitz der b\u00f6rsennotierten&nbsp;<em>Informa Gruppe<\/em> ist, die mit Fachliteratur, Konferenzen \u2013 und Daten handelt. Die Einreichung, Begutachtung sowie die redaktionelle Betreuung meines bei dem Journal eingereichten Manuskripts wurde \u00fcber&nbsp;<em>Manuscript Central<sup>TM<\/sup><\/em><sup>&nbsp;<\/sup>abgewickelt, einem \u201eonline system used by journal editorial offices to manage the submission and peer review of articles. It is a product of the ScholarOne\u00ae platform of Thomson Reuters\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/B000A205-9A9A-4A7B-8E7C-3885BDB94447#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;wie es dort zur Erkl\u00e4rung hei\u00dft. Im Laufe des Einreichungsprozederes hat man da allerhand H\u00e4kchen zu setzen und K\u00e4stchen zu klicken; unter anderem ist eines dabei, das danach fragt, ob man auch bereit w\u00e4re, andere Fachpublikationen zum eingereichten Thema zu begutachten. Da muss ich wohl unvorsichtiger Weise einen Haken gemacht oder stehen gelassen haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun handelt es sich bei den Manuskripten aber gar nicht um ein sozialwissen\u00adschaftliche, sondern um mikrobiologische Arbeiten und das anfragende Journal geh\u00f6rt nicht zu&nbsp;<em>Taylor &amp; Francis<\/em>. Daher nahm ich zun\u00e4chst an, die Herausgeber:innen sind bei ihrer Suche nach potentiellen Gutachtern irrt\u00fcmlicher und zuf\u00e4lliger Weise an mich geraten. Wobei ich mich schon etwas wundern musste, wie man auch bei nur oberfl\u00e4chlicher Recherche mich f\u00fcr einen Mikrobiologen halten kann. Aber da ich selbst als Herausgeber t\u00e4tig bin und wei\u00df, wie m\u00fchsam diese Suche nach Gutacher:innen ist, wollte ich die anfragende Redaktion aus Solidarit\u00e4t nicht in der Luft h\u00e4ngen lassen und schrieb eine kurze Antwortmail, dass es sich hier wohl um ein Missverst\u00e4ndnis handele. Da ich ja gar kein Biologe bin, sollte ich f\u00fcr eine Anfrage gar nicht in Frage kommen. Eine andere als die urspr\u00fcnglich anfragende Person bedankte sich dann kurz und knapp f\u00fcr meinen Hinweis. Damit hielt ich die Sache f\u00fcr erledigt: \u201eThank you for letting us know. We are sorry for the inconvenience.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So ziemlich eine Woche danach, erreichte mich dann eine n\u00e4chste Anfrage:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eDear Dr. Friedrich:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Manuscript [ID number] entitled \u201eThe microbiological profile of the patients with Fournier\u2019s gangrene: a retrospective multi-institutional cohort study\u201d has been submitted to the International [journal].<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>May I ask you to evaluate the enclosed manuscript and to inform us whether it is suitable for publication.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Please, find enclosed the manuscript.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es folgte auch hier wieder die Aufforderung, die Anfrage via Klick entweder anzunehmen oder abzulehnen. Zudem wurde ich darauf hingewiesen, dass hierf\u00fcr automatisch ein Account in einem \u201eonline manuscript submission and review system\u201c angelegt wird. Dabei handelte es sich um die mir schon bekannte&nbsp;<em>ScholarOne\u00ae<\/em>&nbsp;Plattform, \u00fcber die das ganze Kommunikations- und Begutachtungsgeschehen abgewickelt wird. Egal also, ob man die Anfrage annimmt oder ablehnt, man wird in jedem Fall in der Datenbank registriert, wie einem sp\u00e4testens nach dem Klick auf den Antwort-Link deutlich wird:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eWelcome to the [Journal Name] ScholarOne Manuscripts site for online manuscript submission and review. Your name has been added to our reviewer database in the hopes that you will be available to review manuscripts for the Journal which fall within your area of expertise.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>[\u2026]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Thank you for your participation.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Da man zudem gleich aufgefordert wird, eine ORCID iD (siehe dazu den Beitrag von Petra Gehring) anzulegen, sofern noch nicht vorhanden, verlor ich jegliche Lust auf \u201eparticipation\u201c und schrieb immerhin noch eine Ablehnungsmail:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eDear [editor],&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>My expertise is in the field of philosophy; I cannot review a paper in the field of microbiology.\u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auf diese Mail bekam ich schon keine Antwort mehr. Ich hoffte aber immerhin, dass mich die Herausgeber:innen nun wegen Inkompetenz und Unh\u00f6flichkeit von ihrer Liste f\u00fcr potentielle Gutachter streichen w\u00fcrden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings erreicht mich, wieder eine Woche sp\u00e4ter, eine dritte Anfrage zur \u201eMikrokalkulation von Diagnostika in der Onkologie\u201c \u2013 auch wieder von einem&nbsp;<em>Taylor &amp; Francis<\/em>&nbsp;Journal, abermals verbunden mit einer Einladung zu&nbsp;<em>ScholarOne\u00ae<\/em>. W\u00e4hrend ich anfangs ja noch vermutet hatte, dass diese Anfragen auf den Irrtum oder das Missgeschick verzweifelter Herausgeber:innen zur\u00fcckzuf\u00fchren w\u00e4ren, schwante mir nun, dass vielleicht niemals ein Mensch an meiner Auswahl beteiligt war, sondern dass ich wohl das Opfer einer verh\u00e4ngnisvollen Datenbankverkn\u00fcpfung geworden bin. Irgendwie habe ich mir (bzw. meine Autoren-ID sich) durch meine Publikation eine \u201eMikrobiologie und Bio\u00f6konomie\u201c-Kennzeichnung eingefangen, die nun dazu f\u00fchrt, dass ich st\u00e4ndig entsprechende Anfragen erhalte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Schlussfolgerung entmutigte mich: Meine beiden Ablehnungsmails w\u00e4ren dann nichts weiter als blo\u00dfe Symptombek\u00e4mpfungen. Die Strategie, Absagen per Mail zu verschicken, w\u00fcrde nur auf eine unendliche Reihe bestimmter Negationen hinauslaufen, die nichts weiter zum Resultat haben w\u00fcrden als eine sinnlose Verschwendung von Lebenszeit auf beiden Seiten der Kommunikationsbeziehung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzig erfolgsversprechende Strategie, diesem Unwesen ein Ende zu setzen w\u00e4re dann, die mutma\u00dflich urs\u00e4chliche Fehlverkn\u00fcpfung in der fraglichen Datenbank zu identifizieren und zu tilgen, aus der die Journals ihre Listen f\u00fcr potentielle Gutachter:innen generierten. Zu recherchieren, wo sich diese Datenbank befindet, und wer hier die erforderlichen Schreibrechte hat und herauszufinden, was n\u00f6tig war, um eine entsprechende Tilgung zu veranlassen, schien mir aber ein ungeb\u00fchrlicher Aufwand zu sein \u2013 f\u00fcr den ich jedenfalls keine Lebenszeit \u00fcbrighatte. Also nehme ich fortan solche Anfragen seufzend hin und ignoriere sie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Anf\u00e4nglich hoffte ich noch, durch konsequentes Nicht-Reagieren irgendwann als \u201enotorisch ignorant\u201c markiert und somit nicht mehr angeschrieben zu werden. Aber diese Hoffnung hat sich nicht erf\u00fcllt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Meine zweite Frage: \u201eWas kann ich dagegen tun?\u201c habe ich mir also nur abstrakt beantworten k\u00f6nnen: \u201epers\u00f6nlich gar nichts oder nur so viel, dass die zu erwartenden Kosten den Ertrag \u00fcbersteigen\u201c. \u2013&nbsp;Mit dieser entmutigenden Einsicht wende ich mich nun der dritten Frage zu: \u201eWelche daten- und wissenschaftspolitischen Implikationen hat diese Geschichte?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Den ersten Hinweis auf eine m\u00f6gliche Beantwortung dieser Frage finde ich in der ersten Mail \u2013 an deren Ende sich, im Kleingedruckten, ein Link zu der \u201eprivacy policy\u201c des fraglichen Publishers findet. Ich klicke auf den Link und gelange zu einem Text, der folgenderma\u00dfen beginnt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eInformation We Collect<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>When you interact with us or our Sites, Wiley may collect personal data about you in the following ways: directly from you; through automated technologies such as cookies; and from other sources, such as our business partners and data processors.\u201d&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In dem darauffolgenden Abschnitt \u201eInformation collected through automated technologies\u201c werde ich dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, dass w\u00e4hrend des Besuchs der Seite, die auf diese Policy verlinkt, Daten \u00fcber mich gesammelt werden, die u.a. umfassen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eInternet Protocol (IP) address, browser type and settings, device identifier details, internet service provider (ISP), referring and exit pages, the Site content you interacted with, operating system, clickstream data, location data, or other usage information. We (and third parties acting on our behalf) may collect this information through certain tracking technologies, including cookies, web beacons (also known as tracking pixels or pixel tags), embedded scripts, location-identifying technologies, device recognition technologies, and session replay software. We may combine the information collected through these technologies with other information we collect about you.\u201c&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem wird mir beil\u00e4ufig erkl\u00e4rt, dass man meinen Wunsch,&nbsp;<em>nicht<\/em>&nbsp;getrackt zu werden, einfach ignoriert und ich deutlich aktiver werden m\u00fcsse, wenn es mir mit meinem Wunsch ernst ist: \u201eWhile we do not currently respond to \u201ado not track\u2018 browser signals, you have several options to exercise choices about cookies and tracking technologies.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgt ein Abschnitt \u00fcber \u201einformation we receive from other sources\u201c, in dem mir erkl\u00e4rt wird, dass Wiley sich auch anderweitig Informationen \u00fcber mich beschafft, und zwar von:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201ebusiness partners and data processors in technical, payment and\/or delivery services; advertising, marketing, digital and social media agencies; data brokers; analytics providers; academic institutions; journal owners, societies and similar organizations; search information providers; third parties who may recommend you as a potential author, reviewer, editor or contributor; and credit reference agencies. <\/p>\n\n\n\n<p>Wiley may also receive information about you from publicly accessible content, such as public databases or social media platforms. When we do collect publicly available data about you, we will honor this Privacy Policy when we store and process it. If you choose to register and sign in by using a social media or other third-party account as an identity service (such as your Facebook or Google account), the authentication of your account is managed by that third party. Wiley will collect your name, email address and any other information that you agree to share with us at the time you give permission for your Wiley account to be linked to your third-party account.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zwischen Suchmaschinenbetreibern und Kreditauskunfteien finde ich also eine Best\u00e4tigung meiner Hypothese, zumindest ein bekr\u00e4ftigendes Indiz. Das erste Journal, von dem ich eine solche Anfrage erhalten habe, hat wohl vermutlich eine solche Empfehlung eingeholt und die Quelle dieser Empfehlung k\u00f6nnte die&nbsp;<em>ScholarOne&nbsp;<\/em>Datenbank gewesen sein, in der ich schon als Autor (und vielleicht als potentieller Gutachter) registriert war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201eprivacy note\u201c von&nbsp;<em>ScholarOne<\/em>, die ich nun auch noch einmal nachlese, finde ich die folgenden S\u00e4tze: \u201eYour personal data in ScholarOne will be accessed by:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8211; The publishers that are the \u2018controllers\u2019 of your personal data and who may disclose your data to other organizations and individuals.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Your data may be transferred to a third party as a result of any merger, acquisition, or similar corporate event involving Clarivate.<span style=\"font-size: 0.8125em;\"><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Clarivate Analytics, das 2016 aus der\u00a0Intellectual Property and Science Business\u00a0Abteilung von\u00a0Thomson Reuters\u00a0hervorgegangen ist und inzwischen auch das\u00a0Web of Science, Publons\u00a0und\u00a0EndNote\u00a0besitzt, beschreibt sich selbst als \u201ea global leader in providing trusted insights and analytics to accelerate the pace of innovation.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/B000A205-9A9A-4A7B-8E7C-3885BDB94447#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Clarivate<\/em>, das \u2013 wie ich nun auch herausfinde \u2013 inzwischen eine strategische Partnerschaft mit&nbsp;<em>Wiley<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Francis &amp; Taylor&nbsp;<\/em>eingegangen ist, stellt sich somit als das verbindende Glied zwischen all den verschiedenen Anfragen heraus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So hei\u00dft es denn auch unter Punkt \u201eyour rights and choices:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>You should first contact each publisher with questions or requests about their use of your data, for example to request access to the data that they hold about you, or request that it be corrected or erased. However, you may also contact Clarivate with data privacy questions, in particular those that concern the role the ScholarOne solution performs in processing your personal data.&nbsp;You can contact us at:&nbsp;<a href=\"javascript:secureDecryptAndNavigate('7zJl27wX6+zFR\/5Cxbd3TESjk6cyQAYFIinhbW8mhh5poK9Odl8nlNMLEXCFDBNGN2cbN9sfWFXV6Xo9sl9ZBMhhaA81OimsyKG7VUnyv8ZL', 'a6b810645875bcd1dc047d0caab5d8e9ef8c8f9603a24a120f1451edcb920a08')\"><u><a href=\"javascript:secureDecryptAndNavigate('7zJl27wX6+zFR\/5Cxbd3TESjk6cyQAYFIinhbW8mhh5poK9Odl8nlNMLEXCFDBNGN2cbN9sfWFXV6Xo9sl9ZBMhhaA81OimsyKG7VUnyv8ZL', 'a6b810645875bcd1dc047d0caab5d8e9ef8c8f9603a24a120f1451edcb920a08')\">Mail to<\/a><\/u><\/a>.\u201c&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Indizien, die ich zur Beantwortung meiner dritten Frage gefunden habe, werfen nun ein neues Licht auf meine entmutigenden Schlussfolgerungen zur Beantwortung der zweiten. Jede Anfrage, die \u2013 wie irrt\u00fcmlich auch immer \u2013 aus dem System generiert wird, ist immer auch ein Akt der Datenakquise. Die Emails mit den Links zur Annahme oder Ablehnung sind so etwas wie Crawler einer Suchmaschine.&nbsp;<em>Scholar Crawler<\/em>&nbsp;\u2013 wenn man so m\u00f6chte: unerm\u00fcdliche Sonden oder Fallen f\u00fcr das Ziel eines m\u00f6glichst umfassenden Wissenschaftler:innen-Trackings. Jede Interaktion produziert Informationen, die daf\u00fcr verwendet werden, nicht nur die erfassten IDs einzelner&nbsp;<em>scholars<\/em>&nbsp;mit immer mehr personenbezogenen Daten anzureichern, die dann entsprechend ausgewertet und gehandelt werden. Auch Informationen zur Verkn\u00fcpfung dieser Informationen werden gesammelt: Wer arbeitet mit wem zu welchem Thema zusammen, mit welchem Ergebnis? Auch jede Ablehnung von Interaktion ist eine interessante Information, die sich auswerten l\u00e4sst, insbesondere wenn sie per Klick ausgef\u00fchrt wird und auf diese Weise die&nbsp;<em>scholars<\/em>&nbsp;in den Kaninchenbau der Manuskriptmanagementsysteme lockt. Entziehen kann man sich dem System, das die bestimmte Negation zu einem positiven Datum macht, nur wenn man Gl\u00fcck hat \u2013&nbsp;oder enorme Sicherheitsvorkehrungen trifft, die nicht ihrerseits Informationen produzieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Problematisch daran kann man Vieles finden. M\u00f6gliche Probleme hier reichen von \u201ePrivatsph\u00e4re\u201c bis \u201eIndustriespionage\u201c. Ich m\u00f6chte abschlie\u00dfend aber noch einem anderen Gedanken nachgehen, der sich mit meiner dritten Frage verbindet: Was, wenn ich den Fehler der Datenbank systematisch affirmieren w\u00fcrde?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Den Herausgebern der verschiedenen wissenschaftlichen Journale gelte ich ja als Experte f\u00fcr Mikrobiologie, sowie deren medizinische und \u00f6konomische Anwendungen. Was, wenn ich einfach einmal auf \u201eakzeptieren\u201c klicke? Dann bekomme ich vollautomatisch den Artikel zur Begutachtung. Und dann w\u00fcrde ich ein bisschen darin herumbl\u00e4ttern, wenig davon verstehen und dann schriebe ich ein Gutachten. Ich w\u00fcrde ein paar \u00e4hnliche Publikationen googeln, mir ein paar Textbausteine daraus kopieren, diese mit einigen launischen Kommentaren vermischen und eine v\u00f6llige arbitr\u00e4re Bewertung mit einer abwegigen Begr\u00fcndung schreiben. Nicht selten hat man ja selbst schon Gutachten vorgelegt bekommen, die auf genau die gleiche Art zustande gekommen zu sein scheinen: Gutachten, bei denen man den Eindruck einfach nicht haben konnte, dass die Gutachter:in den Text tats\u00e4chlich gelesen oder verstanden hat. Warum das also nicht selber einmal probieren, zumal in einem fremden Fachgebiet, in dem ich&nbsp;<em>de jure<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>de facto<\/em>&nbsp;ohnehin keine Expertise \u2013&nbsp;also auch keine Reputation zu verlieren habe? Damit es f\u00fcr die beteiligten Autor:innen und Herausgeber:innen nicht zu \u00e4rgerlich wird, werde ich erst ein bisschen herumn\u00f6rgeln, dann aber doch die meisten Paper f\u00fcr eine Publikation empfehlen. Oder ich lobpreise ganz \u00fcberschw\u00e4nglich die Genialit\u00e4t der darin niedergelegten Einsichten. Ab und zu lehne ich dann ein Paper harsch ab, um weniger vorhersehbar zu sein. Wenn ich gen\u00fcgend solcher \u201eGutachten\u201c geschrieben habe, werde ich quasi vollautomatisch eine solide Reputation als verl\u00e4sslicher Reviewer f\u00fcr mikrobiologische Forschungsarbeiten erworben haben, die zwar immer noch nicht reichen w\u00fcrde, um selber eine Fachpublikation zu ver\u00f6ffentlichen. Aber ich werde auf diese Art einen gewissen Einfluss auf die fachwissenschaftliche \u00d6ffentlichkeit nehmen k\u00f6nnen, indem ich die Publikationsprozesse und damit die mikrobiologische Wissensproduktion subtil manipuliere.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich meiner Phantasie gestattet habe, in eine etwas abwegige Richtung zu denken, m\u00f6chte ich mich n\u00e4her liegenden M\u00f6glichkeiten zuwenden: Was, wenn solche Anfragen auch aus der empirischen Sozialforschung oder der Politikwissenschaft an mich herangetragen w\u00fcrden \u2013 was aufgrund meines mutma\u00dflichen Datenbankprofils durchaus auch m\u00f6glich sein k\u00f6nnte? Hier k\u00f6nnte ich deutlich besser noch den Eindruck von Kompetenz erwecken und die Affordanz des Systemfehlers f\u00fcr meine pers\u00f6nlichen Idiosynkrasien ausbeuten, indem ich etwa Publikationsvorhaben eines mir missliebigen Forschungsgebiets sabotiere. Die M\u00f6glichkeiten einer systematischen Strategie f\u00fcr Wissenschafts-Sabotage h\u00e4tte ich dadurch allein noch nicht, aber ich k\u00f6nnte immerhin mit dem arbeiten, was mir angeboten wird.&nbsp;Von diesem Gedanken aus ist es dann auch nicht mehr weit bis zu der Frage: Was, wenn nicht nur ich so handelte? Ich bin ja sicherlich nicht das einzige \u201eOpfer\u201c einer solchen Datenbank-Fehlverkn\u00fcpfung. Wie verhalten sich denn betroffene Kolleg:innen in \u00e4hnlichen F\u00e4llen? Das Problem missg\u00fcnstiger Kolleg:innen, die die Publikation ihrer Arbeiten gegenseitig verhindern, einmal beiseite gelassen:&nbsp;<em>Wer oder was sichert denn \u00fcberhaupt die Expertise von Gutachter:innen unter den Bedingungen ihrer automatisierten Auswahl?<\/em>&nbsp;Das Begutachtungs(un)wesen gedeiht ja zu Wohl und Wehe der Wissenschaft. Man h\u00f6rt Kolleg:innen klagen, man komme vor lauter Gutachten gar nicht mehr zum Arbeiten. Man glaubt es ihnen, wenn man wei\u00df, wovon sie reden. Man h\u00f6rt Herausgeber:innen seufzen, dass sie keine Gutachter:innen mehr finden, weil gefragte Expertinn:en l\u00e4ngst ersch\u00f6pft abwinken und verbleibende Kapazit\u00e4ten immer schwieriger aufzutreiben sind. Eine Konsequenz der \u00d6konomie des Mangels ist, dass man nehmen muss, was man haben kann; und je weniger hochqualifizierte Expert:innen zur Begutachtung zur Verf\u00fcgung stehen, desto h\u00e4ufiger wird man sich zur Not mit mittelm\u00e4\u00dfigen Expert:innen begn\u00fcgen \u2013 im schlimmsten Fall mit Gutachter:innen, die deutlich weniger Expertise haben als die Autoren, deren Texte sie beurteilen sollen. Und die sie vielleicht umso lustvoller kritisieren, je weniger Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung sie in ihrem Berufsfeld f\u00fcr sich selbst sehen. Man kann sich ausmalen, welche sozialpsychologische Dynamik sich hier entwickelt mag und ich will es bei dieser \u201escience fiction\u201c eines von st\u00fcmpernden Gutachter:innen getragenen, halbautomatischen Begutachtungswesens belassen, die die wissenschaftliche (Nicht)\u00d6ffentlichkeit in Zukunft heimsuchen k\u00f6nnte \u2013 um zu bedenken zu geben, dass dies&nbsp;<em>auch<\/em>&nbsp;eine Konsequenz sein k\u00f6nnte, die wir beim Nachdenken \u00fcber die Probleme mit in Betracht ziehen sollten, die aus der prosperierenden Praxis des Wissenschaftler:innentrackings erwachsen k\u00f6nnten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/B000A205-9A9A-4A7B-8E7C-3885BDB94447#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. <a href=\"https:\/\/tandf.co.uk\/journals\/pdf\/Author\/About_Manuscript_Central.pdf\">https:\/\/tandf.co.uk\/\/journals\/pdf\/Author\/About_Manuscript_Central.pdf<\/a>. Inzwischen geh\u00f6rt die Platform dem Unternehmen Clarivate Analytics.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/B000A205-9A9A-4A7B-8E7C-3885BDB94447#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. <a href=\"https:\/\/clarivate.com\/about-us\/\">https:\/\/clarivate.com\/about-us\/<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Wie ich von Datenh\u00e4ndlern zu einem Mikrobiologen gemacht wurde Alexander Friedrich Obwohl ich niemals eine biologische oder eine medizinische Ausbildung durchlief \u2013 und dies auch nie behauptet oder suggeriert habe \u2013 erhalte ich seit bald einem Jahr regelm\u00e4\u00dfig Anfragen f\u00fcr die wissenschaftliche Begutachtung von Fachartikeln zu mikrobiologischen und biomedizinischen Themen. 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