{"id":1081,"date":"2022-05-12T10:50:20","date_gmt":"2022-05-12T10:50:20","guid":{"rendered":"https:\/\/jtphil.de\/?p=1081"},"modified":"2022-08-18T09:57:29","modified_gmt":"2022-08-18T09:57:29","slug":"mitleser-aufgepasst-von-der-informationsanalyse-zum-wissenschaftlertracking","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jtphil.de\/?p=1081","title":{"rendered":"Mitleser aufgepasst! Von der Informationsanalyse zum Wissenschaftlertracking"},"content":{"rendered":"\n<p>Nicola M\u00f6\u00dfner<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/jtphil.de\/?p=945\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_05-1024x724.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-928\" srcset=\"https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_05-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_05-300x212.jpg 300w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_05-768x543.jpg 768w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_05-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_05-2048x1448.jpg 2048w, https:\/\/jtphil.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/JahrbuchIllu_05-624x441.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption><em>Illustration:&nbsp;<\/em><a href=\"http:\/\/www.matthias-seifert.com\">Matthias Seifert<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfstadtbewohner kennen das:&nbsp;Man sitzt in Bus oder Bahn, pendelt zur Arbeit oder bewegt sich zu anderem Zweck von West nach Ost, von Nord nach S\u00fcd durch die eigene Stadt. Das kostet Zeit. Zeit, die man gerne anders verbringen w\u00fcrde. Zeit, die es zumindest zu f\u00fcllen gilt. Lesen ist eine beliebte Alternative. Waren es fr\u00fcher Zeitung und Buch, ist es heute das Smartphone oder das Tablet mit den diversen Anwendungen darauf, das Zeitblasen zu f\u00fcllen hilft. Die Augen der Lesenden sind dabei so auf die Ger\u00e4te fixiert, dass eine verzweifelte Servicekraft in der New Yorker Subway ihre notwendigen Lautsprecheransagen einleitete mit:&nbsp;<a>\u203a<\/a>Dear passengers \u2013 PLEASE \u2013 pay attention!\u2039 Alle Augen kleben am eigenen Display \u2013 oder etwa nicht? Nein, bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass es Leute gibt, die einen unauff\u00e4lligen Blick \u00fcber die Schulter ihrer Nachbarn werfen, die Spezies der \u203aMitleser\u2039. Folgten deren Augen fr\u00fcher fremder Menschen Druckspalten, betrachten sie heute schweigend die Smilies und Likes, die sich auf den elektronischen Leseger\u00e4ten h\u00e4ufen. Wer h\u00e4tte gedacht, dass sich aus diesem harmlos scheinenden, neugier- und langeweilegetriebenen Gruppenverhalten ein lukratives Gesch\u00e4ftsmodell entwickeln lie\u00dfe?<\/p>\n\n\n\n<p>Das aber geschieht gerade jetzt \u2013 m\u00f6glich gemacht durch unsere Nutzung digitaler Medien. L\u00e4ngst wird es mehr und mehr zur Gewohnheit, eBooks auf den Cloud-Servern der Online-Buchh\u00e4ndler zu speichern \u2013 gesetzte Lesezeichen und andere Textmarkierungen inklusive. Was macht es schon, wenn Amazon &amp; Co. die privaten Lekt\u00fcrestunden trackt, die man sonst mit einem Mitleser in der Bahn geteilt h\u00e4tte?<\/p>\n\n\n\n<p>Erstreckt sich diese Resignation des Alltagsindividuums auch schon auf andere Bereiche? Wie steht es mit dem Wissenschaftssektor? Hier ist der Austausch von Informationen essentiell, Lesen, wenn man so will, seit jeher \u203aTeil des Gesch\u00e4fts\u2039. Erkenntnistheoretiker sprechen von der sogenannten epistemischen oder kognitiven Arbeitsteilung.<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Wissenschaft ist Teamarbeit und das nicht nur in der unmittelbaren Forschungst\u00e4tigkeit im Labor. Thomas Bartelborth weist darauf hin, dass gerade in diesem Kontext der R\u00fcckgriff auf Daten, Informationen und Wissensinhalte \u2013 kurz: auf das Zeugnis anderer<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;\u2013 wesentlich sei. Wissenschaftlicher Fortschritt wird nur m\u00f6glich, wenn wir uns auf die Mitteilungen unserer FachkollegInnen verlassen d\u00fcrfen. M\u00fcssten wir alle Grundlagen stets von Neuem selbst erarbeiten, bliebe die wissenschaftliche Arbeit in ihren Anf\u00e4ngen stecken. Dass dar\u00fcber hinaus \u201edie Wissenschaften das R\u00fcckgrat des gesellschaftlichen Wissens\u201c darstellen, wie Bartelborth schreibt,<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>&nbsp;also eine enge Vernetzung der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche \u2013 von Wissenschaft, Politik und Alltag \u2013 vorliegt, hat uns die Corona-Pandemie sehr deutlich vor Augen gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kehren wir an dieser Stelle zur\u00fcck zu den \u203aMitlesern\u2039:&nbsp;Wie passen sie in dieses komplexe Bild wechselseitiger epistemischer Abh\u00e4ngigkeit? F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis unseres heutigen Blicks \u00fcber die nur mehr metaphorische Schulter Lesender sind Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) der Schl\u00fcssel.<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>Das \u203aMitlesen\u2039&nbsp;im Kontext der Wissenschaft setzt dabei mindestens zweierlei voraus: (a) einer Verdichtung der Quellen, d.h. der Informationstr\u00e4ger, um einen schnellen und umfassenden Zugriff auf ihre Daten zu erhalten und (b) das Vorhandensein eines Dritten, der ein (kommerzielles) Interesse an den verf\u00fcgbaren Daten und Informationen besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Voraussetzung der Verdichtung \u2013 wie sie im \u00d6PNV durch das Zusammenf\u00fchren vieler Fahrg\u00e4ste im t\u00e4glichen Berufsverkehr erfolgt \u2013 ergibt sich aus der Notwendigkeit, die stetig wachsenden Datenstr\u00f6me zu kanalisieren, zu strukturieren, kurz: sie handhabbar zu machen.<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>&nbsp;Im wissenschaftlichen Publikationswesen geschieht das vor allem durch die B\u00fcndelung von informationsbezogenen Dienstleistungen, wie sie derzeit insbesondere von kommerziellen Verlagen angeboten werden. Insofern ist damit zugleich die zweite Voraussetzung erf\u00fcllt: Es gibt einen Dritten, der ein (kommerzielles) Interesse an Daten und Informationen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie eine solche Verdichtung von Datenstr\u00f6men erfolgt, l\u00e4sst sich gut am Beispiel der Abstract- und Zitationsdatenbank Scopus des Verlagskonzerns Elsevier nachvollziehen. Das Unternehmen bewirbt sein Angebot mit dem Argument, dass seine Datenbank einen enormen Effizienzvorteil f\u00fcr die wissenschaftliche Praxis impliziere: \u00bbScopus quickly finds relevant and authoritative research, identifies experts and provides access to reliable data, metrics and analytical tools.&nbsp;Be confident in progressing research, teaching or research direction and priorities \u2014&nbsp;<em>all from one database and with one subscription<\/em>.\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>&nbsp;Die Datenbank stellt f\u00fcr den individuellen Wissenschaftler also sowohl ein&nbsp;<em>Recherche-Werkzeug<\/em>&nbsp;als auch ein&nbsp;<em>Mittel der Bewertung<\/em>von Informationsangeboten (Publikationen der unterschiedlichsten Art) wie auch von Personen (AutorInnen) und zugeh\u00f6rigen Institutionen dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der vom Betreiber intendierten kontinuierlich ausgeweiteten Nutzung von Scopus im Wissenschaftsalltag etabliert sich ein kommerzieller Akteur im Kernprozess der epistemischen Arbeitsteilung und strebt dort eine Monopolstellung an, wie aus dem obigen Zitat deutlich wird. Von diesem Unternehmensziel ist Elsevier heute nicht mehr weit entfernt; denn zu Scopus steht derzeit weltweit nur ein einziges Produkt in Konkurrenz: Web of Science.<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>&nbsp;Scopus ist also ein IT-Produkt, das \u00e4hnlich wie Google f\u00fcr den Bereich der Internetsuchmaschinen eine marktdominierende Stellung innehat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese analoge Entwicklung der beiden Technologiem\u00e4rkte versch\u00e4rft epistemologische Schwierigkeiten, die sich aus der Nutzung einer Datenbankl\u00f6sung im wissenschaftlichen Kommunikationswesen ergeben k\u00f6nnen. Beispielsweise kann es durch eine solcherma\u00dfen ver\u00e4nderte Arbeitspraxis dazu kommen, dass der f\u00fcr die epistemische Arbeitsteilung notwendige Informationsfluss innerhalb der digitalisierten Arbeitsumgebung der wissenschaftlichen Gemeinschaft sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht eingeschr\u00e4nkt wird. In \u00e4hnlicher Weise wie die Monopolisierung des Suchmaschinenmarktes kann die Etablierung einer neuen Schnittstelle zwischen wissenschaftlichem Informationsangebot (Publikationen, Forschungsdaten usw.) und Nachfrage l\u00e4ngerfristig zu einer Engf\u00fchrung des Suchhorizonts der ForscherInnen (und WissenschaftsmanagerInnen) f\u00fchren.<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: In einer Datenbank kann nur gesucht werden, was darin als Inhalt auch vermutet wird. Ausgeblendet wird dabei das, was der Forschung aber vielleicht den gr\u00f6\u00dferen Innovationsschub verleihen k\u00f6nnte, n\u00e4mlich unbekannte (d.h. nicht den Erwartungshaltungen entsprechende), aber relevante Informationen. Letztere k\u00f6nnen Anreize bieten, Forschungshypothesen zu hinterfragen, andere Erkl\u00e4rungsmodelle in Erw\u00e4gung zu ziehen usw. Allerdings sind es gerade diese Informationen, die nur schwerlich mittels einer auf Algorithmen gest\u00fctzten Suchtechnologie gefunden werden k\u00f6nnen. Suchfunktionen, wie sie in Datenbanken etabliert werden, st\u00fctzen sich auf Metadaten zu den Dokumenten, die im Speicher hinterlegt wurden. Das k\u00f6nnen im Falle von Scopus AutorInnennamen, Zeitschriftentitel, aber auch f\u00fcr die Beitr\u00e4ge vergebene Schlagw\u00f6rter sein. In jedem Fall muss aber der Nutzer einen relevanten Suchbegriff verwenden, um auf die zugeh\u00f6rige Publikation aufmerksam zu werden.<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Verengung des epistemischen Horizonts der NutzerInnen solcher IT-L\u00f6sungen steht dar\u00fcber hinaus noch in einer weiteren Hinsicht zu bef\u00fcrchten. Zwar werben die Technologie-Betreiber mit dem Versprechen, dass ihre AnwenderInnen auf effiziente und zuverl\u00e4ssige Weise Zugang sowohl zu ExpertInnen als auch zu qualitativ hochwertigen Fachinformationen erlangten, doch sind dieser Zusicherung zwei Fragen entgegenzuhalten, die das klassische \u00bbBig-Data-Problem\u00ab bezeichnen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(a) Wie vollst\u00e4ndig ist die Datenbasis, auf die sich dieses Versprechen gr\u00fcndet?<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>(b) Verf\u00fcgen die vorhanden Daten tats\u00e4chlich \u00fcber die vermeintliche Qualit\u00e4t, die vom Anbieter beworben wird?<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Verbindung zum Big-Data-Thema mag auf den ersten Blick erstaunen, entspricht aber sehr genau der Selbstwahrnehmung der beteiligten Akteure. Elsevier wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zwar \u00fcberwiegend noch als einer der klassischen internationalen Wissenschaftsverlage betrachtet, das Selbstverst\u00e4ndnis ist jedoch mittlerweile ein ganz anderes: \u00bbElsevier ist ein&nbsp;<em>globales Unternehmen f\u00fcr Informationsanalysen<\/em>, das Institutionen und Fachleute dabei unterst\u00fctzt, die Leistungen im Gesundheitswesen und in der Wissenschaft zum Wohle der Menschheit zu verbessern.\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a>&nbsp;Der Konzern stellt sich somit als global agierender Informationsdienstleister vor, welcher seine NutzerInnen bei der L\u00f6sung gesellschaftspolitisch relevanter Fragen bestm\u00f6glich unterst\u00fctzen will.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich der Datenbankbetreiber zum \u203aMitleser\u2039weiterentwickelt hat. Klammert man in der obigen Selbstdarstellung die Formulierung&nbsp;\u00bbzum Wohle der Menschheit\u00ab&nbsp;einmal ein, haben wir es schlicht mit einem Konzern zu tun, dessen Gesch\u00e4ftsmodell den Handel mit Daten und Informationen umfasst. Nat\u00fcrlich ist es im Interesse eines solchen Konzerns, so viele Informationen wie m\u00f6glich abzugreifen, und nat\u00fcrlich geh\u00f6rt es zu seinem Interesse, diese zu vermarkten. WissenschaftlerInnen sollten nicht so naiv sein, einem Unternehmen vorwerfen zu wollen, Profit machen zu wollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ob man profitorientierte Akteure in den Prozessen des Wissenschaftsbetriebs als Mitspieler haben m\u00f6chte, ist freilich eine andere Frage.<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a>&nbsp;Die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die negativen Konsequenzen der Implementierung eines kommerziellen Anbieter im Herzen der epistemischen Arbeitsteilung klar benannt. In einem entsprechenden Positionspapier hei\u00dft es zu den m\u00f6glichen Folgen des \u203aMitlesens\u2039&nbsp;der Konzerne: \u00bbIm Einzelnen kann unreguliertes bzw. unerkanntes Datentracking<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>eine Verletzung der Wissenschaftsfreiheit und der Freiheit von Forschung und Lehre bedeuten;<\/li><li>eine Verletzung des Rechts auf den Schutz der eigenen Daten darstellen;<\/li><li>eine potenzielle Gef\u00e4hrdung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darstellen, da die Daten auch ausl\u00e4ndischen Regierungen und autorit\u00e4ren Regimes zug\u00e4nglich werden k\u00f6nnen;<\/li><li>einen Eingriff ins Wettbewerbsrecht darstellen, da neue Teilnehmer kaum eine Chance auf einen Markteintritt haben;<\/li><li>eine Wertminderung \u00f6ffentlicher Forschungsinvestitionen beg\u00fcnstigen, da im Rahmen von Wirtschaftsspionage wissenschaftliche Aktivit\u00e4tsdaten von kommerziellen Forschungskonkurrenten erhoben oder ihnen gegen Bezahlung zug\u00e4nglich gemacht werden k\u00f6nnen.\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Elsevier weist die Kritik nat\u00fcrlich entschieden zur\u00fcck: \u00bbBedauerlicherweise r\u00fcckt das DFG-Papier die von den Wissenschaftsverlagen eingesetzten Sicherheitsma\u00dfnahmen in ein falsches Licht, in dem [sic!] es suggeriert, dass Verlage sie als \u203aSpyware\u2039&nbsp;in Bibliotheken einsetzen. Um es deutlich zu sagen: Elsevier f\u00fchrt keine Spyware in Bibliotheken und Institutionen ein.\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a>&nbsp;Das w\u00e4re jedoch allenfalls dann wahr, wenn die automatisiert Informationsanalyse tats\u00e4chlich \u00bbzum Wohle der Menschheit\u00ab erfolgte.&nbsp;&nbsp;Ebenso hei\u00dft es \u00fcbrigens in der \u00bbPrivacy Police\u00ab von Google: \u00bbWhen you use our services, you\u2019re trusting us with your information. We understand this is a big responsibility and work hard to protect your information and put you in control.\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a>&nbsp;Hier wird der Umstand, dass der Alphabet-Konzern die von ihm gesammelten Daten hartn\u00e4ckig vor dem Zugriff Dritter sch\u00fctzt, um sein Monopol zu bewahren, als Dienst an denjenigen ausgegeben, deren Daten man abgreift. Wollen sich WissenschaftlerInnen und ihre Institutionen nicht auf die Euphemismen der Konzerne einlassen, sind sie an dieser Stelle gefordert, sich kritisch mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen. Es ist leicht, sich auf kommerzielle Produkte zu verlassen, doch nimmt man dann die Aggregation von Gestaltungsmacht und strategischer Steuerung bei deren Betreibern stillschweigend in Kauf. Wir sollten uns fragen, ob dieser Preis nicht zu hoch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die DGPhil unterst\u00fctzt die Initiative \u00bbStop Tracking Science\u00ab (zur Petition:&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/stoptrackingscience.eu\/\">https:\/\/stoptrackingscience.eu<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/\"><\/a><br>This work is licensed under a <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/\">Creative Commons Attribution 4.0 International License<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref1\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. z.B. Kitcher, Philip:&nbsp;<em>The advancement of science. Science without legend, objectivity without illusions,<\/em>&nbsp;Oxford u.a. 1995, Kap. 8.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref2\">[2]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. dazu M\u00f6\u00dfner, Nicola:&nbsp;<em>Wissen aus dem Zeugnis anderer \u2013 der Sonderfall medialer Berichterstattung,<\/em>&nbsp;Paderborn 2010 und Gelfert, Axel:&nbsp;<em>A critical introduction to testimony,<\/em>&nbsp;London 2014.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref3\">[3]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bartelborth, Thomas:&nbsp;<em>Begr\u00fcndungsstrategien. Ein Weg durch die analytische Erkenntnistheorie,<\/em>Berlin 1996, S. 74.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref4\">[4]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine \u00dcbersicht der zu diesem Zweck verwendeten IT-Werkzeuge findet sich beispielsweise auf der Seite der Initiative \u00bbStop Tracking Science\u00ab unter https:\/\/stoptrackingscience.eu\/background-information\/#how, eingesehen am 11. Februar 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref5\">[5]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Luciano Floridi spricht vom Zeitalter des Zettabyte, das die Menschheit mittlerweile erreicht habe (vgl. Floridi, Luciano:&nbsp;<em>The 4th revolution. How the infosphere is reshaping human reality,<\/em>&nbsp;Oxford 2014, S. 13). Belegt ist, dass der globale j\u00e4hrliche Datenverkehr im Internet erstmals 2016 diese Grenze \u00fcberschritten hat, vgl. https:\/\/blogs.cisco.com\/sp\/the-zettabyte-era-officially-begins-how-much-is-that, eingesehen am 14. Februar 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref6\">[6]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;https:\/\/www.elsevier.com\/solutions\/scopus, eingesehen am 15. Februar 2022, Hervorhebung NM.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref7\">[7]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. https:\/\/clarivate.com\/webofsciencegroup\/solutions\/web-of-science\/, eingesehen am 15. Februar 2022, fr\u00fcher war diese Datenbank bekannt unter dem Namen&nbsp;<em>Web of Knowledge<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref8\">[8]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erg\u00e4nzend kann festgehalten werden, dass das nat\u00fcrlich dazu f\u00fchren kann, dass bestimmte Fragestellungen auch gar nicht erst entwickelt werden und somit bestimmte Informationen nicht verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref9\">[9]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Diesen systematischen Ausschluss von Zufallsfunden bzw. Zufallsbegegnungen kritisiert Cass R. Sunstein im Zusammenhang mit der Nutzung von sozialen Medien als Informationslieferanten als Basis f\u00fcr demokratische Entscheidungsfindungsprozesse.&nbsp;Vgl. dazu&nbsp;Sunstein, Cass R.:&nbsp;<em>#republic. Divided democracy in the age of social media<\/em>, Princeton und Oxford 2018.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref10\">[10]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Diesen Punkt kann man am in der Datenbank ausgewiesenen (vermeintlichen) Expertenstatus bestimmter AutorInnen veranschaulichen: Dieser Status wird einer Person auf der Basis bibliometrischer Analysen zugeschrieben, die sich wiederum auf in der Datenbank erfasste Publikationen st\u00fctzen. Was nicht in Scopus als Datenmaterial vorliegt, wird also nicht ber\u00fccksichtigt. Gerade in den Geisteswissenschaften ist dies allerdings ein Problem, denn viele Publikationen umfassen hier klassische Monographien, die (bisher) aber nur mit einem geringen Anteil in Scopus indexiert wurden. Vgl. dazu&nbsp;M\u00f6\u00dfner, Nicola:&nbsp;\u00bbWissenschaft in \u201aUnordnung\u2018? Gefiltertes Wissen und die Glaubw\u00fcrdigkeit der Wissenschaft\u00ab, in: Nicola M\u00f6\u00dfner und Klaus Erlach (Hg.):&nbsp;<em>Kalibrierung der Wissenschaft. Auswirkungen der Digitalisierung auf die wissenschaftliche Erkenntnis.<\/em>&nbsp;Bielefeld (im Erscheinen).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref11\">[11]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. dazu&nbsp;Retzlaff, Eric:&nbsp;\u00bbWer bewertet mit welchen Interessen wissenschaftliche Publikationen? Eine Skizzierung des Einflusses kommerzieller Interessen auf die Forschungsoutput-Bewertung\u00ab, in: Nicola M\u00f6\u00dfner und Klaus Erlach (Hg.):&nbsp;<em>Kalibrierung der Wissenschaft. Auswirkungen der Digitalisierung auf die wissenschaftliche Erkenntnis.<\/em>&nbsp;Bielefeld (im Erscheinen).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref12\">[12]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;https:\/\/www.elsevier.com\/de-de\/about,&nbsp;eingesehen am 15. Februar 2022, Hervorhebung NM.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref13\">[13]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wendy Brown diskutiert diesen Punkt kritisch im politischen Umfeld, f\u00fcr welches sie konstatiert, dass derzeit eine Verquickung von B\u00fcrger- und Konsumentenrechten sowie entsprechender Mentalit\u00e4ten in den demokratischen Gesellschaften westlicher Staaten zu einer Reihe ernstzunehmender Spannungen und Probleme f\u00fchre.&nbsp;Vgl. Brown, Wendy:&nbsp;<em>Undoing the demos: neoliberalism\u2018s stealth revolution,<\/em>&nbsp;New York 2015.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref14\">[14]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;DFG: \u00bbDatentracking in der Wissenschaft: Aggregation und Verwendung bzw. Verkauf von Nutzungsdaten durch Wissenschaftsverlage. Ein Informationspapier des Ausschusses f\u00fcr Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme der Deutschen Forschungsgemeinschaft 28. Oktober 2021\u00ab, S. 8. online unter: https:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/foerderung\/programme\/lis\/datentracking_papier_de.pdf.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref15\">[15]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;https:\/\/www.elsevier.com\/de-de\/connect\/elsevier-antwort-auf-dfg-papier-datenverfolgung-in-der-forschung, eingesehen am 11. Februar 2022.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1F76048B-96FA-4871-9030-2EDAE4D650C0#_ftnref16\">[16]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;https:\/\/policies.google.com\/privacy, eingesehen am 18. Februar 2022.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicola M\u00f6\u00dfner Gro\u00dfstadtbewohner kennen das:&nbsp;Man sitzt in Bus oder Bahn, pendelt zur Arbeit oder bewegt sich zu anderem Zweck von West nach Ost, von Nord nach S\u00fcd durch die eigene Stadt. Das kostet Zeit. Zeit, die man gerne anders verbringen w\u00fcrde. Zeit, die es zumindest zu f\u00fcllen gilt. Lesen ist eine beliebte Alternative. Waren es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1081","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1081","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1081"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1081\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1138,"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1081\/revisions\/1138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1081"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/jtphil.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}