{"id":899,"date":"2021-11-25T13:58:22","date_gmt":"2021-11-25T13:58:22","guid":{"rendered":"https:\/\/jtphil.de\/?page_id=899"},"modified":"2026-02-23T07:39:33","modified_gmt":"2026-02-23T07:39:33","slug":"cfp-2022-kunst-und-werk","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jtphil.de\/?page_id=899","title":{"rendered":"Call for Papers\u00a0Jahrbuch Technikphilosophie\u00a02027"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Themenschwerpunkt: <em><strong>Demokratische Technik? Technische Demokratie?<\/strong><\/em><\/h1>\n\n\n\n<p><em>Stuttgart: 16.-18.September 2026<br>Deadline f\u00fcr Einreichungen (Themenskizze): 31. M\u00e4rz 2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Technologische Entwicklungen durchdringen alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Immer wieder f\u00fchren sie demokratische Strukturen, Werte und Prozesse an ihre Grenzen \u2013 zugleich er\u00f6ffnen sie neue M\u00f6glichkeiten zur Beteiligung, Transparenz und Gestaltung. Die Beziehung zwischen Demokratie und Technik ist wechselseitig: Technologien beeinflussen politische Entscheidungsprozesse, Partizipationsformen und \u00d6ffentlichkeiten, w\u00e4hrend demokratische Normen und Institutionen die Entwicklung, Regulierung und Anwendung technologischer Systeme pr\u00e4gen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell werden diese Fragen vor allem im Hinblick auf die Folgen des zunehmenden Gebrauchs digitaler Technologien diskutiert, etwa im Hinblick auf soziale Medien und algorithmische Entscheidungsprozesse: Wie ver\u00e4ndern sich demokratische Debatten und Entscheidungen, wenn sie etwa durch \u201alikes\u2018, \u201amemes\u2018 und \u201adeep fakes\u2018 befeuert werden \u2013 und wie k\u00f6nnte eine \u201aliquid democracy\u2018 aussehen? Die Konferenz m\u00f6chte diese dr\u00e4ngenden aktuellen Fragen aufnehmen&nbsp;<em>und<\/em>&nbsp;den Blick weiten: Sie fragt grunds\u00e4tzlicher nach dem Verh\u00e4ltnis von technologischen Bedingungen und demokratischen Prozessen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Historisch und systematisch r\u00fcckt damit die Beziehung von&nbsp;<em>poiesis<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>praxis<\/em>&nbsp;in den Blick: Inwiefern m\u00fcssen demokratische Praktiken technisch und medial hergestellt werden? Und inwiefern verdankt sich die spezifische Gestalt einer demokratischen Lebensform immer auch ihrer technischen Formung?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schon die attische Demokratie war durch bestimmte architektonische Strukturen und einen kodifizierten Schriftgebrauch gepr\u00e4gt. Mitglieder des h\u00f6chsten Gerichts wurden mit einer Losmaschine bestimmt, Redezeit mit Wasseruhren kontrolliert. Moderne Demokratien beruhen auf Berechnungen der Sitzverteilung, Mechanismen der Abgabe und Ausz\u00e4hlung von Stimmen, somit auch auf entsprechenden Regularien und Autorit\u00e4ten, auf statistischen Erhebungen und amtlichen Feststellungen. Parlamentarische Architektur spielt immer noch eine Rolle, aber auch Fraktionszw\u00e4nge, die sich ihrerseits technischen Sachzw\u00e4ngen unterwerfen. Partizipationsverfahren einerseits, Expertenkultur andererseits stellen das Idealbild einer repr\u00e4sentativen Demokratie infrage. Versch\u00e4rft wird dies aktuell durch die Verlagerung von Entscheidungen in Modelle (<em>Modeling for Policy<\/em>).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit wird die Demokratisierung von Technikentwicklung programmatisch im Rahmen von \u201eopen science and innovation\u201c verfolgt und vor einer k\u00fcnstlich intelligenten Entmachtung demokratischer Selbstverst\u00e4ndigungsprozesse gewarnt. Hinter dieser Kulisse sucht das&nbsp;<em>Jahrbuch Technikphilosophie<\/em>&nbsp;zusammen mit der Zeitschrift&nbsp;<em>Technikgeschichte<\/em>&nbsp;auch die unterbelichteten Problematiken im Wechselspiel von Technik und Demokratie auf. Angesichts der 1961 von Eisenhower formulierten Warnung vor der Demokratiefeindlichkeit des \u201emilitary-industrial complex\u201c wird immer wieder gehofft und gefragt, ob manche Technologien vielleicht inh\u00e4rent demokratieoffener sein k\u00f6nnen als andere. Wir laden Beitr\u00e4ge ein, die sich mit der Technizit\u00e4t demokratischer Prozesse befassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beitr\u00e4ge sollen vom&nbsp;<strong>16.-18. September 2026<\/strong>&nbsp;auf einer internationalen Konferenz am&nbsp;<strong>Bundesh\u00f6chstleistungsrechenzentrum (HLRS)<\/strong>&nbsp;der Universit\u00e4t Stuttgart vorgestellt und diskutiert werden. Als Keynote-Speaker der Veranstaltung konnten bereits&nbsp;<strong>Stefan B\u00f6schen<\/strong>&nbsp;(RWTH Aachen),&nbsp;<strong>Sheila Jasanoff<\/strong>&nbsp;(Harvard University),&nbsp;<strong>Nadja Mazouz<\/strong>&nbsp;(ETH Z\u00fcrich) und&nbsp;<strong>Ortwin Renn<\/strong>&nbsp;(RIFS Potsdam) gewonnen werden. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die einzureichenden Beitr\u00e4ge sind beispielhaft folgende Themen und Fragestellungen denkbar:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;1)&nbsp;<em>Authoritarian and Democratic Technics<\/em>&nbsp;(Mumford): Worin besteht der Zusammenhang zwischen demokratischen und technologischen Werten oder Wertbegriffen (z.B. Transparenzforderungen, Transparenzgebote)? Konzentriert sich politische und \u00f6konomische Macht in technischen Systemen und kann dem eine dezentralisierte Technik effektiv entgegenwirken? Was w\u00e4ren demokratische Affordanzen?<\/p>\n\n\n\n<p>2)&nbsp;<em>Technology as Ideology<\/em>&nbsp;(Habermas): W\u00e4hrend sich die Demokratie von der Technokratie abgrenzt, sieht sie sich technischen Sachzw\u00e4ngen konfrontiert. Dies zeigt sich insbesondere im Hinblick auf Verwaltungsprozesse in Beh\u00f6rden. Gibt es einen technologischen Strukturwandel der \u00d6ffentlichkeit? Verlangen Modernisierung und Aufkl\u00e4rung einen inh\u00e4renten Zusammenhang zwischen technischem und gesellschaftlichem Fortschritt?<\/p>\n\n\n\n<p>3)&nbsp;<em>Autonomous Technology<\/em>&nbsp;(Winner): Die Beharrlichkeit und Eigenlogik einer einmal etablierten Technik schr\u00e4nkt die Autonomie des Menschen ein. Kann es als Gegenentwurf ein Design demokratischer R\u00e4ume geben, die wie am Beispiel Otto Neuraths von der Siedlungsplanung bis hin zur Bildstatistik reichen? Was macht die Atmosph\u00e4re eines demokratischen Erfahrungsraums aus: Norman Fosters Reichstagskuppel? Oscar Niemayers Brasilia?<\/p>\n\n\n\n<p>4)&nbsp;<em>The Technological Society<\/em>&nbsp;(Ellul): Der Formwandel demokratischer Prozesse ist mit einem Wandel der zugrundeliegenden Technologien verbunden \u2013 und umgekehrt? Gibt es Technikutopien, neoliberale und marxistische&nbsp;<em>technologies for human enhancement<\/em>, eine spezifisch demokratische Technikpolitik (<em>responsible research and innovation<\/em>)? Ist schon die Unumkehrbarkeit technischer Entwicklungen antidemokratisch?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>5)&nbsp;<em>Politics of Nature<\/em>&nbsp;(Latour):&nbsp;&nbsp;Produziert Technikentwicklung einen erweiterten Politik- und vielleicht auch Demokratiebegriff? \u00dcber die Vernetzung mit nicht-menschlichen Akteuren treten die Anspr\u00fcche k\u00fcnftiger Generationen, die Rechte von Tieren oder Landschaften in den politischen Diskurs, bilden ein Parlament der Dinge (Rohstoffe, Endlager, Lieferketten).<\/p>\n\n\n\n<p>6)&nbsp;<em>Political Automation<\/em>&nbsp;(Albrecht): Die basalen Techniken der Stimmabgabe (<em>voting systems<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>voting machines<\/em>) setzen sich fort in der \u201egamification\u201c der politischen Kommunikation durch technische Metriken (<em>likes<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>re-tweets<\/em>) und f\u00fchren weiter zur politischen Orientierung oder Stimmungsbildung durch KI- oder Simulationstechniken (<em>nudging<\/em>) bis hin zu den gegenw\u00e4rtig diskutierten Entscheidungsalgorithmen, aber auch zu Formen der B\u00fcrger\u00b7innenbeteiligung (<em>liquid democracy<\/em>). Einerseits gilt Technik als urs\u00e4chlich f\u00fcr demokratische Erosion, andererseits wird sie als ihre Retterin ins Spiel gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Interessierte Autorinnen und Autoren werden gebeten, ihre Vorschl\u00e4ge bis zum&nbsp;<strong>31. M\u00e4rz 2026<\/strong>&nbsp;in Form einer Themenskizze von mindestens 300 W\u00f6rtern einzureichen. Vielversprechende Einsendungen k\u00f6nnen von der Vorbereitung auf die Tagung und den kritischen Austausch profitieren. Eine entsprechende R\u00fcckmeldung erhalten Interessenten sp\u00e4testens im&nbsp;<strong>Juni 2026<\/strong>. Einreichungen sind auch unabh\u00e4ngig von der Tagungsteilnahme m\u00f6glich. So oder so werden alle bis zum&nbsp;<strong>15. Dezember<\/strong>&nbsp;zur Publikation im Jahrbuch 2027 eingereichten oder \u00fcberarbeiteten Beitr\u00e4ge einer Begutachtung unterzogen.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bitte senden Sie Ihre Einreichungen und eventuelle R\u00fcckfragen an:&nbsp;<strong><a href=\"javascript:secureDecryptAndNavigate('g1AsmoV0nHHXea3FDjUM3Hf8zRZlrTt\/eAY6GL6gNqGv7G0sHb+5noOtepmP0+GawG6Wm\/FwyBO5xZpdonVbm+XfL5YBr0C+sIhM\/7PigFu\/isnF', 'a6b810645875bcd1dc047d0caab5d8e9ef8c8f9603a24a120f1451edcb920a08')\">Mail to<\/a><\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">CfP: Democratic Technology? Technical Democracy?<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Stuttgart, 16-18 September 2026<br>Submission deadline (abstracts): 31 March 2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Technological developments permeate all areas of social life. Time and again, they challenge the limits of democratic structures, values, and processes \u2013 while, at the same time, opening up new possibilities for participation, transparency, and collective decision-making. The relationship between democracy and technology is a reciprocal one: Technologies influence political decision-making, forms of participation, and the public sphere, while democratic norms and institutions shape the development, regulation, and use of technological systems.<\/p>\n\n\n\n<p>At present, these questions are discussed primarily with regard to the consequences of the increasing use of digital technologies \u2013 particularly in relation to social media and algorithmic decision-making processes. How are democratic debates and decisions transformed when they are fueled by&nbsp;<em>likes<\/em>,&nbsp;<em>memes<\/em>, and&nbsp;<em>deep fakes<\/em>? And what might a form of&nbsp;<em>iquid democracy<\/em>&nbsp;look like? The conference seeks to engage with these pressing contemporary issues while, at the same, time broadening the perspective: It aims to inquire more fundamentally into the relationship between technological conditions and democratic processes.<\/p>\n\n\n\n<p>From both a historical and systematic perspective, this draws attention to the relationship between&nbsp;<em>poiesis<\/em>&nbsp;and&nbsp;<em>praxis<\/em>: To what extent must democratic practices themselves be technically and medially produced? And to what extent does the specific shape of a democratic form of life always also depend on its technical formation?<\/p>\n\n\n\n<p>At present, the democratization of technological development is being programmatically pursued under the banner of&nbsp;<em>open science and innovation<\/em>, while warnings are voiced against the looming disempowerment of democratic self-understanding through artificial intelligence. Against this backdrop, the&nbsp;<em>Jahrbuch Technikphilosophie<\/em>, in cooperation with the journal&nbsp;<em>Technikgeschichte<\/em>, seeks to explore the less illuminated dimensions of the interplay between technology and democracy. In light of Eisenhower\u2019s 1961 warning about the democracy-threatening potential of the&nbsp;<em>military-industrial complex<\/em>, the question continues to arise whether certain technologies might be inherently more open to democratic forms than others. We invite contributions that engage with the&nbsp;<em>technicity<\/em>&nbsp;of democratic processes.<\/p>\n\n\n\n<p>The papers will be presented and discussed at an international conference to be held from&nbsp;16\u201318 September 2026&nbsp;at the&nbsp;High-Performance Computing Center Stuttgart (HLRS), University of Stuttgart, Germany.<\/p>\n\n\n\n<p>Confirmed keynote speakers include&nbsp;Stefan B\u00f6schen&nbsp;(RWTH Aachen University),&nbsp;Sheila Jasanoff&nbsp;(Harvard University),&nbsp;Nadja Mazouz&nbsp;(ETH Zurich), and&nbsp;Ortwin Renn&nbsp;(<em>RIFS Potsdam<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Interested authors are invited to submit their proposals by&nbsp;<strong>31<\/strong><strong>&nbsp;March&nbsp;2026<\/strong>&nbsp;in the form of a thematic abstract of at least 300 words. Promising submissions will benefit from preparatory discussions and critical exchange in the context of the conference. Notifications of acceptance will be sent out by&nbsp;June 2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Submissions are also welcome independently of conference participation. In all cases, papers submitted or revised by&nbsp;15 December 2026&nbsp;will undergo peer review for possible publication in the&nbsp;<em>Jahrbuch Technikphilosophie 2027<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Please send your submissions and any inquiries to:&nbsp;<strong><a href=\"javascript:secureDecryptAndNavigate('\/pzPGmPDhQh0rgGX8AGK21HwgoORaVdBi99Opn+gayrySa8iz8+z0Xzgti1f3Ns\/a6gp8k\/K\/X2qBn0idZ8murOS5xsZkXNT2OwL22njBmnVdbig', 'a6b810645875bcd1dc047d0caab5d8e9ef8c8f9603a24a120f1451edcb920a08')\">Mail to<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Themenschwerpunkt: Demokratische Technik? Technische Demokratie? Stuttgart: 16.-18.September 2026Deadline f\u00fcr Einreichungen (Themenskizze): 31. 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