CfP JTPhil 2017 – Technisches Nichtwissen // abgelaufen

Das Nichtwissen ist in aller Munde. Von Nichtwissenskulturen in der zweiten oder reflexiven Moderne ist die Rede, von Agnotologie als neuem Forschungszweig, von wicked problems und ihren clumsy solutions. Wo Nichtwissen sich durch Komplexitäts­steigerung unwiderruflich im zu Wissenden einnistet, fordert es als Grenze, Schranke und Kehrseite des Wissens die sogenannte Wissensgesellschaft heraus. Vor allem Risiko­poten­tiale und Gefahren kommen hier in den Blick, von denen wir gerade genug wissen, um Wissensansprüche zu formulieren, die sich womöglich nie einlösen lassen.

Das klassisch erkenntnistheoretische Problem: „Was können wir wissen?“ steht heute in einem Spannungsverhältnis zu der wissenspolitischen Frage: „Was müssen wir wissen?“ Was wir wissen müssen, ist einerseits so viel wie nötig, wenn es um Fragen von Sicherheit und Gesundheit geht – andererseits aber so wenig wie möglich, wenn es in Alltag, Wirtschaft oder Wissen­schaft darauf ankommt, Wissen an technische Systeme oder Expertenkulturen zu delegieren.

Bezeichnet politisch handlungsorientiertes und wissenschaftliches Nichtwissen zunächst ein Defizit, ist technisches Nichtwissen gleichermaßen erstrebenswert und problematisch. Einige, die Technik für angewandtes Wissen halten, mögen darin eine contradictio in adjecto sehen, manche sich um eine dem technischen Nichtwissen geschuldeten Technik­feindlichkeit sorgen, andere daraus die nötige Demut gegen verstiegene Allmachts­phantasien beziehen, während ihre Gegenspieler von Maschinen träumen, die über den Horizont intellektueller Nachvollziehbarkeit immer weiter hinauseilen.

Das Jahrbuch Technikphilosophie 2017 lädt dazu ein, Beiträge zum Schwerpunktthema „Technisches Nichtwissen“ einzureichen. Ziel und Anliegen des Jahrbuchs ist eine Zusammenführung aktueller technikphilosophischer Debatten in einem gemeinsamen und weithin sichtbaren Forum. Anspruch ist es, das gesamte Spektrum der Auseinander­setzung zu repräsentieren und aktuelle Thesen, Ansätze und Forschungslinien zum Thema abzubilden. Neben dem jeweiligen „Themenschwerpunkt“ gibt es eine Sektion „Abhandlungen“, in der sämtliche Aspekte und Probleme der Technikphilosophie diskutiert werden können. Auch dazu sind Autorinnen und Autoren eingeladen, Beiträge einzureichen. In einem „Rezensionsteil“ werden zudem aktuelle Publikationen auf dem Gebiet besprochen und ein „Archiv“ informiert über vergriffene, vergessene oder unbekannte Texte zum Thema. Überdies werden technische und technikpolitische Entwicklungen der Gegenwart in einer eigenen Sektion kommentiert.

Das Jahrbuch erscheint bei diaphanes und wird von einem digitalen Pendant um aktuelle und kleinere Beiträge ergänzt. Ein Begutachtungsverfahren (double blind peer review) stellt die hervorragende Qualität der Abhandlungen sicher. Beiträge können in deutscher, englischer oder französischer Sprache publiziert werden. Manuskripte für Schwerpunkt­beiträge oder Abhandlungen sollten bis zum 15. Januar 2016 der Redaktion vorliegen und nicht mehr als 33.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Anmerkungen) umfassen. Alle persön­lichen Angaben sind wegen des Review-Verfahrens ausschließlich auf dem Deckblatt zu vermerken. Vor der Einreichung eines Manuskripts wird die Zusendung eines vorläufigen Titels mit einer Themenskizze bis zum 1. Oktober 2015 erbeten. Darauf erfolgt ein erstes redaktionelles Feedback, mit dem alle weiteren Informationen zur formalen Textgestaltung mitgeteilt werden. Einsendungen, Vorschläge oder Anfragen richten Sie bitte per Mail an die Redaktion: Mail to.